1. April 2020

Der unsichtbare Freund von Stephen Chbosky



♥♥♥ ♡ 

Stephen Chbosky
Der unsichtbare Freund
(eBook)
Heyne


Der beschauliche kleine Ort Mill Grove ist genau richtig, um eine verzweifelte Mutter mit ihrem Sohn zu verstecken. Doch dann verschwindet Christopher – und bleibt sechs Tage lang verschwunden. Als er wieder auftaucht, hat er eine Mission – und einen Freund an seiner Seite, den nur er sehen kann ...

Stephen Chboskys zweiter großer Roman nach "Das also ist mein Leben" (dem einen oder anderen sicher bekannter als der Film "Vielleicht lieber morgen") ist auf den ersten Blick vor allem eins: Ziemlich mächtig. Fast 1000 Seiten hat das gedruckte Buch. Wir hatten zum Glück das eBook am Start – was allerdings auch dazu geführt hat, dass uns gar nicht klar war, was da genau auf uns zukommt. 
Aber kommen wir zum Thema: Chboskys Schreibstil ist sehr angenehm, die Charaktere sind glaubwürdig und die Spannung ist sehr schnell aufgebaut. Mit wenig Worten und ohne komplizierte Schnörkel kann Chbosky ein Bild entstehen lassen. Der Anfang hat uns sofort gefesselt, und die ersten hundert Seiten waren schnell gelesen. 
Spätestens nach zwei Dritteln jedoch wurde es mühselig. Die Geschichte ging nicht voran, stattdessen gab es Perspektivwechsel.
Während es an manchen Stellen schön war, immer wieder am gleichen Punkt anzusetzen, um die Geschichte dann aus verschiedenen Perspektiven zu erleben, wirkte es stellenweise vor allem sprachlich doch sehr konstruiert. Das hat dem Ganzen etwas die Leichtigkeit genommen. 
Dadurch hat sich die Geschichte sehr gezogen – und das Mittel  der Wiederholung wurde arg strapaziert. Briefkasten, Reißverschluss, Zähne, die ins Fleisch geschlagen wurden – irgendwann haben wir diese Begriffe nur noch überflogen, weil wir so gar keine Lust mehr darauf hatten.
Dennoch waren wir gespannt auf das Ende, aber auch hier entstand ein Problem: Natürlich stellt man sich während des Lesens vor, wie es ausgehen wird, und das ist dann auch so passiert. Das war zwar im ersten Moment ganz befriedigend, aber sonderlich überraschend eben leider nicht.  
Der letzte Satz der Widmung bestätigte unsere Vermutung, welchen Autor Chbosky selbst gerne mag:

"Und zu guter Letzt (...) Stephen King,  der alles andere inspiriert hat."

Und genau so liest sich das Buch. Wir allerdings mögen Stephen King eher nicht. Warum? Kurz gesagt: Zu brutal, zu (unnötig) lang, zu viele Wiederholungen – also alles, was uns nach einer gewissen Zeit auch am "unsichtbaren Freund" den Spaß verdorben hat. Nicht, dass wir lange Bücher nicht mögen würden – nur wenn es künstlich in die Länge gezogen wird, ohne dass dies für die Geschichte notwendig ist oder sie voranbringt, dann wird für uns aus Lesespaß schnell Frust. Ähnlich verhält es sich mit Gewalt: Unserer Meinung nach liegt die Kunst vor allem darin, die Geschichte im Kopf des Lesenden enstehen zu lassen, und nicht jede Bluttat ins kleinste Detail niederzuschreiben.

Deshalb gibt es von uns 3 von 5 Herzen, eine Leseempfehlung für King-Fans und für alle anderen eine vorsichtige Warnung: Dieses Buch hält nicht ganz, was der Klappentext verspricht, und ist vom Gefühl her mehr The Stand als Donnie Darko




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