Montag, 11. Juli 2016

Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Tage von Salman Rushdie

Es ist ja so eine Sache mit den Hörbüchern: Hat man genug Zeit? Kommt man mit dem Sprecher klar? In diesem Falle haben wir nach einigen Anläufen aufgegeben und diese Rezension "outgesourced". Vielen Dank an unseren Gastrezensenten für diese schöne Rezension zu: 


♥ ♥ ♥  ♡ ♡

Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Tage
Länge: 719 Minuten
Der Hörverlag

Ein in Ungnade gefallener Philosoph, Ibn Ruschd, und Dunia, die Dschinnprinzessin der Blitze. Eine Liebe,  aus der das Geschlecht der Duniazát hervorgeht, welches Jahrhunderte nach dem Tod seines Stammvaters die Geschicke der Welt retten muss. Ein Krieg zwischen mächtigen Dschinn und die Verbindung zweier Welten. 

Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Tage ist die Geschichte einer Dynastie von Nachkommen einer Dschinnya und eines Menschen, die sich in einer modernen Welt Intrigen, Anfeindungen, Korruption, Rassismus, Katastrophen und Krieg ausgesetzt sehen. Zunächst noch nichts ahnend von der Existenz der anderen, gestaltet jeder seinen Lebensweg allein. Im Verlauf des Romans finden einige von ihnen zusammen und stellen sich mit ihrer Stammmutter den übermenschlichen Feinden aus der Welt der Dschinn entgegen. Unter ihnen: Ein Gärtner der seine große Liebe vermisst, im Laufe seines Lebens buchstäblich den Boden unter den Füßen verliert und schlussendlich ein wichtiger Teil im Kampf gegen das Böse wird; eine Baby, das durch seine bloße Anwesenheit korrupte Menschen mit Krankheiten befällt; eine Rächerin missbrauchter Frauen und viele andere. 
  
Als kleine Anmerkung sollte vielleicht erwähnt werden, dass es auch der Autor selbst indirekt schafft, Bestandteil seiner Geschichte zu werden, indem er Ibn Ruschd als Stammvater der Duniazát bestimmt. Jener spanische Philosoph Ibn Ruschd, der auch als selbsterwählter Namensgeber für Rushdies eigenen Vater diente. Man könnte also vermuten, dass Rushdie sich selbst als Mitglied der Duniazát sieht. 

Salman Rushdie schafft es, wie schon zuvor in seinen Werken, wunderbar der Strömung des magischen Realismus zu entsprechen. Seine Verbindung von Märchen und Gesellschaftskritik könnte nicht besser sein, auch wenn man sie nicht immer sofort entdeckt. Dennoch muss ich sagen, dass ich seinen Stil, mehrere miteinander verwobene Geschichten innerhalb der eigentlichen Geschichte anzufangen bevor eine beendet wurde, hier zuweilen als sehr verwirrend und anstrengend empfand. Durch die häufigen Wechsel des Schauplatzes ist die Komplexität des Romans an vielen Stellen deutlich zu spüren und erschwert es, weiterhin konzentriert zuzuhören. Zudem gerät Rushdie immer wieder in Versuchung seine Beschreibungen von Personen oder der Welt der Dschinn zu sehr auszuführen und damit die Handlung zu unterbrechen.

Simon Jäger, als Hörbuchsprecher bereits für Sebastian Fitzek, John Katzenbach, Markus Heitz und weitere Autoren tätig und auch als Synchronsprecher für Matt Damon und Jet Li bekannt, ist ohne Zweifel ein hervorragender Sprecher - meiner Meinung nach aber hier nicht der Richtige. Ich hätte mir einen Sprecher gewünscht, der eine tiefere, ruhige Stimmlage hat und dem man, eher als Jäger, das Märchenhafte abnimmt. So bleibt zwar ein exzellent gelesenes Werk, jedoch fehlt mir das gewisse Etwas.

Alles in allem habe ich ganze zwei Monate damit verbracht mir dieses Hörbuch komplett anzuhören, was zum einen daran lag, dass ich mit Jäger nicht so richtig warm wurde und zum anderen daran, dass ich beim Hören häufiger durch die Komplexität herausgeworfen wurde. So kann ich dem Werk als Hörbuch leider nur 3 von 5 Herzen vergeben und es bleibt der Wunsch zurück, ich hätte es lieber gelesen als gehört. Daher würde ich auch jedem, der sich für "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Tage interessiert, raten,  es eher zu lesen!


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