Montag, 4. Juli 2016

Die Alchimistin von Kai Meyer

Aura Institoris wächst in einem alten Schloss auf einer Insel auf. Als sie ihre Heimat verlassen muss, überschlagen sich die Ereignisse: Ihr Vater, ein Alchimist, wird getötet, ihre Schwester wird entführt, Familiengeheimnisse und alte Feinde kommen zum Vorschein. Dabei verliebt sie sich ausgerechnet in Gillian, den Mörder ihres Vaters, und sie geraten in einen die Jahrhunderte überdauernden Konflikt zwischen den Alchimisten, denen auf der Suche nach Unsterblichkeit kein Opfer zu hoch ist...


Der Einstieg in Auras Geschichte war etwas schwierig, da wir uns erst an die ausführlichen Landschaftsbeschreibungen und das Setting des endenden 19. Jahrhunderts gewöhnen mussten. Die Geschichte besteht aus zwei Teilen, wovon der eine Ende des 19. Jahrhunderts und der andere 7 Jahre später, also Anfang des 20. Jahrhunderts, spielt. Zu Beginn trafen wir zusammen mit Auras neuem Adoptivbruder Christopher im Schloss Institoris ein und lernten dessen eigenwillige Bewohner kennen. Dieser Einstieg hat uns gut gefallen, da hier Raum für Erklärungen und Entdeckungen war und der Leser alles zusammen mit dem neuen Familienmitglied kennenlernen konnte. Die Charaktere sind alle auf ihre Weise seltsam. Jeder hat seine Geheimnisse, seine eigenen Charakterzüge und auch die beschriebenen Orte im Buch sind jeder für sich ganz eigen. Im ersten Teil haben sich uns viele Fragen gestellt, denn alles war mysteriös und interessant, merkwürdig und spannend. Im zweiten Teil wurden nach und nach alle Bruchstücke zusammengefügt, Geheimnisse gelüftet und Vergangenheiten verknüpft. 
Die Geschichte begleitet mehrere Protagonisten. Da wäre zum einen Christopher, der unbekannte neue Adoptivbruder, der sich, wie Auras Vater, der Alchemie zuwendet. Dann ist da Gillian, der Hermaphrodit, er ist ein Auftragsmörder und untersteht dem größten Widersacher von Auras Vater. Und zum Schluss noch Aura selbst. An ihr gefällt uns besonders, dass sie stur und stark ist und sich nicht unterkriegen lässt.
"Die Alchimistin" ist definitiv etwas Besonderes. Kai Meyer schafft hier eine interessante Geschichte in der, verbunden durch die Kunst der Alchemie, fantastische und realistische Elemente ineinander überfließen. Nicht nur die Charaktere, auch die Orte hatten ihre ganz eigene Atmosphäre und waren gut vorstellbar und interessant. Das einzige was uns gestört hat war, dass es an einigen Stellen etwas zu lang wurde. Die Protagonisten reisen viel und die Beschreibungen ihrer Reisen und der Landschaft hätten für uns ruhig etwas weniger Raum einnehmen dürfen, weil wir wissen wollten, wie sich die Handlung weiterentwickeln würde. 

Ein tolles Extra sind in der Neuauflage vom Heyne-Verlag die Zusatzmaterialien. Hier gibt es neben dem Nachwort des Autors eine "Geschichte" zur Entstehung des Romans, in der die Schauplätze und auch die Erschaffung der Charaktere aufgegriffen werden. Zudem gibt es auch noch einen kurzen Abriss über "Die Alchimie in der Literatur" und das "Théâtre du grand Guignol", das auch im Buch vorkommt. Eine schöne Idee, uns LeserInnen so viele Hintergrundinfos mitzugeben.

Wir geben der Alchimistin 4 von 5 Herzen für die spannende Handlung und eine durchweg mysteriöse Atmosphäre. Einen kleinen Abzug gibt es für die teilweise zu langen Reisebeschreibungen, welche die Neugierde auf den zweiten Band aber nicht gemindert haben. 


Das Buch ist Buch 8 von 25 für die Random House Challenge und erfüllt Aufgabe 37 von Daggis Buch Challenge: Ein Buch, das im deutschsprachigen Ausland spielt (Teile des Buches spielen in Wien).

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